| indio basar | Katharinengasse 8 | 97070 Würzburg | Tel./Fax: 0931 / 55960 | Brigitte Dobisch |

![]() |
|
... und Einzelpersonen, so zum Beispiel in Peru ein Handwerksbetrieb
mit 12 Mitarbeitern, sie stellen Spiegel und Hinterglasbilder her, oder
in Agadez im Niger, ein Silberschmied, der wundervollen Schmuck herstellt,
oder in Guatemala der Club de Madres, wo wir versuchen den ledigen Müttern
mit Kleinkindern Arbeit zu verschaffen. Einen Teil unserer Handarbeiten
beziehen wir von den Shipibo-Indianern aus dem Amazonasgebiet. Diese
Waren werden in Pucallpa genossenschaftlich verwaltet. Unsere Produzenten
sind über die ganze Welt verteilt. Angefangen haben wir vor 30
Jahren mit Handwerkskunst aus Peru – Bolivien – Ecuador
– Argentinien – Paraquay – Honduras – Guatemala
– Mexico, dann kam dazu der Indianerschmuck aus New-Mexico –
Arizona – Nevada und aus Kanada. Es reihten sich Länder wie
Indien und Nepal dazu ein und schließlich auch Afrika (Südalgerien-Mali
und Niger).
Wie ich zu diesen Kontakten gekommen bin? Zuerst mal durch meinen Ex-Mann,
der diese Länder für eine deutsche Firma bereiste und so überhaupt
die Idee eines indio basar in Würzburg entstand. Ich begleitete
ihn des öfteren und brachte natürlich jedes Mal Handarbeiten,
egal ob Kleidung oder Schmuck, in großer Auswahl für Familie
und Freunde mit. Die Wünsche und Bestellungen wurden immer gezielter
und größer und da ich mit zwei kleinen Kindern meinen Beruf
als medizinische Laborantin nicht mehr ausüben konnte, beschloss
ich mich selbstständig zu machen. Den indio basar gibt es nun seit 30 Jahren und in den ersten 25 Jahren
verbrachte ich ca. 3 Monate im Jahr damit, die Waren der einzelnen Handwerker
oder Cooperativas in den Ländern zusammenzutragen. Ich pflege einen
sehr intensiven Kontakt mit den Webern und Strickern in Peru und Bolivien,
ebenso mit den Herstellern in Nepal, sowie auch zu den Schmuckhandwerkern
in Mexico oder zu den Tuareg im Niger, mit einigen verbindet mich eine
enge Freundschaft.
Die Frage nach der „sozialen Bedeutung“, die sehr oft erhoben
wird, hat für mich einen eher theoretischen Charakter. Dieser Handel
ist ein Stück Leben für mich und ich bin überzeugt, dass
er für meine ausländischen Partner (Freunde) nicht weniger
bedeutet. Der Begriff „Entwicklungshilfe“ würde unserer
Beziehung nicht gerecht. Ich würde ihn für die Partner als
Beleidigung und für mich als Überheblichkeit empfinden. Die Frage nach der „sozialen Bedeutung“ stellt sich ja
nur unter dem Gesichtspunkt, ob die Handelsbeziehung nicht ausbeuterische
Beziehungen begünstigt. Nun ja, ich glaube diese Frage ist nicht
so glatt zu beantworten. Die Einzel- und Familienbetriebe – der
größte Teil meiner Partner also – verkaufen ihre eigenen
Produkte, die durch Qualität, Nützlichkeit und Preis für
mich interessant sind. Sie werden nicht eigens für den Export hergestellt,
sondern sie stellen das eigene künstlerische und handwerkliche
Empfinden eines jedes Herstellers dar. Was den Preis anbelangt, da gilt
das Spiel von Angebot und Nachfrage.
Grundsätzlich treffen wir uns als gleich starke Partner, auch
wenn das leichter gesagt als verwirklicht ist. Als Europäerin laufe
ich immer gewisse Gefahren: dass ich als eine gelte, der man sich mit
allen Mitteln anbiedern muss, oder als eine, die man „ausnehmen“
kann, oder dass ich die Starke spiele und diktieren will, so nach dem
Motto: „Ihr müsst ja froh sein, wenn ich euch euer Zeug abkaufe“
oder dass ich die gute Tante spiele und alles kritiklos annehme weil:
„Ihr ja so arm seid und ich euch helfen will“. Das alles
würde natürlich eine Partnerschaft unmöglich machen.
Objektive Kriterien sind sehr wichtig, laufen aber Gefahr, das subjektive
Geschehen nicht zu erfassen. Ich meine damit folgendes: der sogenannte
gerechte Preis sagt noch nichts darüber aus, ob beide Partner zufrieden
sind. Die Kriterien dafür können nur zwischen den beiden Partnern
gefunden werden. Ich als Käufer habe die Möglichkeit, rücksichtslos
und ohne auf die persönlichen Umstände zu achten, rein nach
kaufmännischen Richtlinien die Bedingungen zu setzen. Aber auch
der Verkäufer kann bestrebt sein den Käufer auszunehmen, wo
es nur geht. In beiden Fällen wird zumindest ein Unbehagen bleiben.
Es ist für mich daher ein Grundsatz für jede geschäftliche
Beziehung, dass sich beide Partner zufrieden fühlen müssen.
Handel ist immer auch eine menschliche Begegnung in Auseinandersetzung
und Zusammenfinden. Diese Dimension ist ein gewaltiges Erlebnis, das bei uns kaum mehr
erfahren wird, vielleicht nur noch auf Flohmärkten! In der Praxis schaut das so aus, dass ich entscheide, ob ein Produkt
für mich bzw. meine Kunden interessant ist und ob es nach Hinzurechnung
von Spesen und Mindestspanne noch als verkäuflich erscheint. Innerhalb
dieses Rahmens verhandle ich dann nach den vorher genannten Aspekten.
Bleibt noch die Frage, ob jene Betriebe, die Mitarbeiter beschäftigen,
diesen auch gerechte Löhne zahlen. Ehrlich gestanden, ich wage
nicht immer danach zu fragen. Oft würde ich mir vorkommen wie ein
Schulmeister, dem es nicht zusteht, sich als Richter aufzuspielen. Ich
stelle mir dann vor, was die Arbeiter zu unserem Handel sagen würden
und glaube, sie würden die Frage nicht verstehen, denn sie sind
privilegiert und froh, dass sie Arbeit haben. Wenn wir von gerechten
Löhnen und Preisen sprechen, dann müssen wir auch vom Gefälle
zwischen uns und der sogenannten 3. Welt sprechen. Entwicklungshilfeorganisationen müssen Statuten und Richtlinien
haben. Das ist objektiv gut und richtig, das darf uns aber nicht blind
machen für die Rolle, die wir subjektiv spielen.
Bleibt weiterhin die Frage, ob die Verkaufserlöse auch gerecht
verteilt werden, oder ob die Gefahr besteht, dass durch den Handel soziale
Missstände ausgelöst und gefördert werden. Ich verdiene
am Stück nicht sehr viel mehr als der Erzeuger, muss aber auf alle
Fälle weniger Zeit und Schweiß dafür aufbringen. Trotzdem
glaube ich, dass ich dadurch keine sozialen Missstände fördere,
wenn es mir gelingt wie bisher, im konkreten Kontakt eine menschliche
Beziehung auf gleicher Ebene zu finden. Es ist mein Wunsch, diese Art
des Handels auch „herüberzutragen“ und im Verkauf zu
leben. Sicher bleiben noch Fragen offen und ich hoffe sehr, dass wir im Gespräch
bleiben. Mir hat es gut getan, einmal diese Gedanken zu Papier zu bringen
und wenn nicht alles so abgerundet dasteht, so bitte ich um Verständnis.
Brigitte Dobisch
|
www.indiobasar.de | copyright 2006 | Brigitte Dobisch |